Ärger auf Walhall - Presse

Bildungsspaß
Vier Papierrollen, zwei Komödianten, eine multifunktionale Bühnenkonstruktion und fernbediente Musik bilden das Gerüst der erfrischenden Sommerpremiere "Ärger auf Walhall". Der neueste Streich der unermüdlich erfolgreichen Symbiose von "Figurentheater Weidringer" und "Theaterfirma" entführte das Premierenpublikum am Freitagabend im lauschigen Innenhof der Erfurter Musikschule in die graue Vorzeit nordischer Göttersagen. Die rührend ungelenken Akademiker Bärbel Schauer (Christiane Weidringer) und Manfred Svensson (Klaus Michael Tkacz) kämpfen neben eigenen Beziehungswirren mit pädagogischem Eifer um die Vermittlung der verästelten Sagen von Odin, Loki,
Freia, und Thor nebst Riesen und Zwergen. Das geschieht so amüsant,
kurzweilig und ideenreich, dass selbst Unkundige sich sofort heimisch fühlen. In rasantem Tempo spielen Weidringer und Tkacz sich in Vielfachrollen die Geschichtsbälle zu, und kämpfen zudem bewusst und humorvoll kalkuliert mit den Tücken des Bühnenalltags.
Papier fungiert in vielfältigster Form als temporäres Kostüm, formbare Requisite oder Vorhang. Das fast zweistündige Bühnenvergnügen liegt nicht nur beim Publikum sondern auch in der sichtlichen Spielfreude der beiden Akteure.
Zugegeben: Mancher Slapstick stammt aus der Klamottenkiste und der zweite Teil erfordert dringend ein paar dramaturgische Straffungen. Doch insgesamt ist die Neuproduktion sehr anregend gelungen, mit intelligentem Witz ausgespielt und vermittelt zudem spannend und nachhaltig wichtiges Bildungsgut. 
Fazit: Furioses Sommertheater mit Anspruch und zwei urkomödiantischen Schauspielern. Trotz hitziger Schlachten auf der Bühne sollte man bei diesen Witterungsumschwüngen allerdings auf wärmende Kleidung nicht verzichten.

Matthias HUTH